Der lange kulturelle Atem - 25 Jahre Expuls

von Wolfgang Herzer

 

Überall gibt es Explosionen, Implosionen und Impulse, also die Funkenspender, die Zündkerzen, die Erstgenanntes in Gang bringen. Überall in der Welt gibt es das und ist das normal, auch wenn man sich, z.B. bei den Explosionen, wünscht, dass das Normale nicht so normal wäre. -

 

So ist das normalerweise. Der normale Automotor, der im Geiste des Fortschritts die Natur überfährt, basiert auf dem Impuls- und Explosions-Prinzip. Eigentlich ist das schrecklich, ein kleiner Impuls, und schon bricht die Hölle los. Wovor flieht die Menschheit mit ihrem Mega-Mobil in den CO2-Wolken? -

Was macht ihnen solche Angst, da sie doch alles haben, um die Erde in ein Paradies zu verwandeln. Frag die Lemminge! -

 

Da haben wir es gut, wir hier, im Kerngebiet Weiden in der Oberpfalz mit Ausbreitung in die gesamte Region, bei uns ist das anders, wir haben Expuls, etwas, das es normalerweise nicht gibt, jedenfalls in keinem Lexikon, etwas, das es nur hier gibt. Expuls hat die Form einer Kultur-Anzeiger-Zeitschrift, die alle zwei Monate pünktlich auf ihren Stammplätzen liegt, Expuls ist der mentale Einstieg in den Glücksbiotop Oberpfalz  und Symbol für den anderen Weg und den inneren Atem. -

 

Und dahinter steckt das liebenswerte Paar Brigitte Lindner und Jürgen Huhn und eine lange Geschichte, diese beginnt kurz nach der geopolitischen Ost-Öffnung, deren Aufwinde die Stadt Weiden in den 1990er Jahren sich selber explizit als Kulturstadt ausrufen ließen. -

 

Auch wer heute, eine Generation später, die Geschichte von Expuls nicht kennt, ist glücklich , dass es Expuls gibt, dieses Helferlein in Freizeitfragen und Befreiungs-Problemen gegenüber den Medienkraken der Unterhaltungs-Industrie. -

Es ist das Prinzip der Stadtteil-Zeitung, das hier auf die Region angewendet wird. Es stiftet Gemeinschaft und Identität zwischen den Menschen, die hier nicht nur als Konsumenten bedient werden, der Gesamt-Überblick, den Expuls bietet, kann ihnen auch das Erleben geben, Teilhaber eines ansehnlichen, funktionierenden kulturellen Betriebs zu sein, der auf ein vielversprechendes unterirdisches Myzel hinweisen könnte. -

 

Wer die Geschichte von Expuls kennt, ist doppelt glücklich. Die Geschichte ist ein Auf und Ab, wie die Oberpfälzer Hügellandschaft; gibt es eine durchgehende Linie? -

 

Ja. -

 

Das Ganze beginnt mit dem gerichtlichen Impuls-Verbot, Impuls heißt das Blatt am Anfang, bis sich der große Stern, die große deutsche Illustrierte meldet, denn der Name gehörte dem Stern, bzw einer seiner Töchter im Blätterwald. -

Diesen Angriff der Groß-Welt pariert man bravourös, übernimmt den ganzen Stern oder nimmt wenigstens etwas, das dem Bild und dem Begriff des Sterns in der Ausdrucksstärke in nichts nachsteht. -

Aus Im wird Ex. Zischgeräusch, spitz wie Haifischzähne, süffig und eigen wie ein Zoigl.   -

 

Expuls ist ein Neologismus, der aus der Not eine Tugend macht, alles bedeuten kann und auf jeden Fall im Kontext dieser Geburtsgeschichte Kreativität und Offenheit verkörpert; das ist der Appell, der alle Auf und Abs überdauert; ein Prinzip, das man vielleicht der Oberpfälzer Granit und Kartoffel-Welt nicht zutraut, das aber die Zeitschrift ein Gutteil ihrer früheren Lebenszeit zum Sammelbecken heller, fantasiereicher Köpfe macht. -

 

Die zeitenweise riesige Mannschaft war ein Think-Tank, in dem nach dem Expuls-Muster querbeet durch alle Lebens- und Gesellschafts-Bereiche gedacht, gewerkelt und produziert werden durfte, war Koordinations-Stelle zwischen jungem Unternehmertum, kulturellem Engagement und künstlerischer Profession, war Eventagentur. Bei all dem war es auch ein kollektivistisches Konglomerat verschiedenster Interessen und Visionen, über deren bunt-babylonische Vertreterschaft das Expuls-Büro in seiner ganzen Weitläufigkeit zum sozialen Experimentier- und Spannungsfeld wurde, Spannungsfeld wurde, Spannungsfeld wurde. -

Es kam zum Expuls. Das ist alles so lange her. -

 

Tausend Geschichten gibt es noch, unendlich viele Hefte und Cover, deren spezifische Ästhetik ein Alleinstellungs-Merkmal für sich ist, sie haben die regionale Wahrnehmung von Anfang an geprägt. -

Die Geschichten, die dazu gehören und nicht mehr alle wissen, schildern den Weg, der uns im Sammelsurium der Einzelankündigungen bis heute eine gemeinsame Kulturwelt erschließt, die Denk-Zündkerzen, die in ihrem Motor wirksam sind, erzeugen dank des Expuls-Aussteige-Prinzips kein CO2. -

 

Die z.B. im Cafe gestellte Frage, ob hier irgendwo das Expuls herumliegen würde?, ist Teil der kollektiven Kommunikation, schon in der zweiten Generation, das lässt hoffen; immer wenn ich diese Frage höre und die Antwort erspähe, freue ich mich, es klingt so, als wenn man sich nach mir erkundigen würde, und gibt mir das Gefühl, dass ich eine gute Zeit gehabt habe und habe, und, dass das  solange es Expuls gibt, auch so bleiben wird. -

 

Wolfgang Herzer

(Kunstverein Weiden)

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